Mikroplastik: Was du darüber wissen solltest
Die winzigen Plastikpartikel sollen einen großen Einfluss auf die Gesundheit haben. Doch was ist dran? Wir zeigen dir, was Studien bislang herausgefunden haben – und wie du deine Aufnahme im Alltag reduzieren kannst.
Was Studien und Expert:innen berichten, klingt erstmal ziemlich überraschend: In unserem Gehirn soll sich Plastik in der Menge eines ganzen Plastiklöffels befinden. Pro Woche nehmen wir angeblich Plastik in der Größe einer Kreditkarte auf – und über ein Jahr hinweg könnte das sogar der Menge von bis zu 50 Plastiktüten entsprechen.
Falls du jetzt denkst: Ich habe doch noch nie auf einer Plastiktüte herumgekaut– keine Sorge, daher kommt das natürlich nicht. Der Grund sind winzige Plastikteilchen, die sich in vielen Lebensmitteln und Getränken verstecken: Mikro- und Nanoplastik. Hier erfährst du, was genau hinter diesen mikroskopisch kleinen Partikeln steckt, wie sie überhaupt in unseren Körper gelangen können, welche möglichen Auswirkungen sie auf die Gesundheit haben – und was du im Alltag tun kannst, um deine Aufnahme zu reduzieren.
Was sind Mikroplastikpartikel?
Mikroplastik sind winzige Plastikteilchen, denen du im Alltag regelmäßig begegnest – oft, ohne es überhaupt zu merken. Das liegt daran, dass sie mit bloßem Auge kaum sichtbar sind. Als Mikroplastik bezeichnet man Partikel, die kleiner als fünf Millimeter sind. Nanoplastik ist sogar noch viel kleiner – weniger als ein Mikrometer groß. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von etwa 70 Mikrometern.
Auch wenn wir sie nicht sehen, sind Mikro- und Nanoplastik fast überall zu finden. „Einige Plastikpartikel werden bewusst in Produkten wie Farben oder Kosmetika eingesetzt. Der größte Teil entsteht jedoch, wenn Plastik im Laufe der Zeit zerfällt“, erklärt Dr. Tracey Woodruff, MPH, Professorin im Department für Gynäkologie und Reproduktionswissenschaften und Leiterin des Programms Reproductive Health and the Environment an der UCSF. Besonders häufig entsteht Mikroplastik beim Abbau von Einwegplastik wie Wasserflaschen oder Verpackungen – aber auch durch Kleidung aus Kunstfasern oder den Abrieb von Autoreifen.
Wie Plastik in deinen Körper gelangt
Diese winzigen Plastikteilchen – und die Chemikalien, die sie beim Zerfall abgeben – können auf verschiedenen Wegen in deinen Körper gelangen: über Essen und Trinken, über die Haut und sogar beim Einatmen, erklärt Woodruff. Plastik kann nämlich kleine Partikel an alles abgeben, womit es in Berührung kommt.
Ein Beispiel: Lachs kann im Meer Plastik aufnehmen, das sich in seinem Körper anreichert – und über den Verzehr wieder in deinen Körper gelangt. Oder Milch, die beim Melken durch Plastikschläuche läuft und später in Plastikflaschen im Laden landet. Auch beschichtetes Kochgeschirr oder beschädigte Plastik-Schneidebretter können beim Zubereiten Partikel oder Chemikalien ins Essen abgeben. Selbst das Erhitzen von Lebensmitteln in Plastikbehältern kann dazu führen, dass Chemikalien ins Essen übergehen.
Der besorgniserregende Punkt: Diese Plastikteilchen scheidet der Körper nicht unbedingt schnell aus. Sie können sich in Organen und im Fettgewebe ansammeln – denn Mikroplastik lagert sich besonders gern in fetthaltigen Bereichen ab. „Wenn wir mehr Fettgewebe haben, kann die Konzentration dieser Chemikalien höher sein“, erklärt Dr. Tamiko Robin Katumoto, klinische Associate Professorin an der Stanford University und Co-Leiterin der Arbeitsgruppe Food Systems, Health, and Environment.
Wie Mikroplastik deiner Gesundheit schaden kann
Du ahnst wahrscheinlich schon: Plastik gehört nicht in unseren Körper. Aber was genau passiert eigentlich, wenn es doch dort landet? Plastik ist eine sehr komplexe Chemikalie, erklärt Dr. Katumoto. Die möglichen Schäden entstehen auf zwei Ebenen: durch die Partikel selbst und durch die Chemikalien, die das Plastik freisetzen kann.
Wenn sich Mikroplastik im Körper ansammelt, kann es Entzündungen fördern und die Funktionen deines Körpers stören. Dazu kommen gefährliche Chemikalien, die in den Teilchen stecken. Ein Beispiel sind Phthalate, die in vielen Kosmetika, Reinigungsmitteln oder Pflegeprodukten vorkommen. „Phthalate wirken sich auf die Sexualhormone aus und können zur Gewichtszunahme beitragen“, erklärt Katumoto. Auch manche Kunststoffprodukte, wie Tupperware, enthalten BPA (Bisphenol A), um das Material härter zu machen – das kann ebenfalls hormonell wirken.
Eine systematische Übersichtsarbeit zeigt, dass Mikroplastik verschiedene gesundheitliche Probleme begünstigen kann: zum Beispiel Störungen des Fortpflanzungssystems (vor allem bei Spermien), des Verdauungs- und Atmungssystems – und möglicherweise ein erhöhtes Risiko für Lungen- und Darmkrebs. Ein Grund dafür ist, dass Plastik und die enthaltenen Chemikalien oxidativen Stress und chronische Entzündungen fördern und das Immunsystem schwächen können. „Weitere Studien sind nötig“, sagt Woodruff, eine der Autorinnen der Forschung, „aber die Hinweise sind eindeutig genug, um aufmerksam zu sein – vor allem, weil die Plastikproduktion bis 2060 voraussichtlich verdreifacht wird.“
Was du gegen Mikroplastik tun kannst
Zuerst das Offensichtliche: Ganz vermeiden lässt sich Plastik wahrscheinlich nicht. In unserer modernen Welt ist Plastik allgegenwärtig – und oft macht es unseren Alltag sogar einfacher. Ziel ist also nicht, ein Leben ohne jeglichen Plastik-Kontakt zu führen. Vielmehr geht es darum, die Belastung so gut es geht zu reduzieren. „Mach das, was realistisch in deinen Alltag passt“, rät Woodruff. Du kannst auf zwei Ebenen aktiv werden: Plastik so weit wie möglich vermeiden und die Aufnahme reduzieren – und deinem Körper dabei helfen, Mikroplastik schneller wieder loszuwerden. Hier sind ein paar Gewohnheiten, mit denen du gleich heute starten kannst:
So senkst du deine Aufnahme von Mikroplastik
Wenn du Plastik im Alltag so gut es geht meidest, kommt auch weniger davon in deinen Körper. „Lasst uns den Hahn abdrehen“, sagt Dr. Katumoto. Hier ein paar einfache Tipps, mit denen du sofort starten kannst:
Keine Lebensmittel in Plastikbehältern erhitzen: Hitze kann Plastikchemikalien ins Essen abgeben. Nutze stattdessen mikrowellengeeignetes Keramikgeschirr.
Weniger verpackte Lebensmittel kaufen: Greif, soweit möglich, zu unverpackten Lebensmitteln. Schon kleine Änderungen helfen: Zum Beispiel Brokkoli in wiederverwendbaren Gemüsesäckchen kaufen statt fertig geschnitten in Plastikpackungen.
Kochutensilien austauschen: Ersetze Plastik-Schneidebretter und Kochutensilien (z. B. schwarze Plastiklöffel) durch Holz oder Metall. Auch beschädigte Antihaft-Pfannen lassen sich durch Edelstahl oder Keramik ersetzen.
Sauberes Zuhause: Mikroplastik sammelt sich gern im Staub. Woodruff empfiehlt Nasswischen und einen Staubsauger mit Hochleistungsfilter. Straßenschuhe sollten nicht im Haus getragen werden – das gilt auch für Gäste. Laut Woodruff enthält Schuhgummi Plastikstoffe, die im Körper nachweisbar sind.
Mehr pflanzliche Lebensmittel essen: Fettigere Lebensmittel wie tierische Produkte haben tendenziell mehr Plastikchemikalien. Dazu zählen Milch (Plastikschläuche beim Melken), Fisch und Meeresfrüchte (Plastik im Meer) sowie fettreiches Fleisch. Pflanzliche Lebensmittel enthalten auch Mikroplastik, aber deutlich weniger.
Mehr selbst kochen und weniger stark verarbeitete Lebensmittel essen: Selbst zubereitetes Essen hat meist weniger Kontakt mit Plastik. Studien zeigen: zu Hause gekochte Mahlzeiten enthalten weniger Phthalate als Fast Food oder Restaurantgerichte. Auch Verpackungen können Mikroplastik ins Essen abgeben – Grund mehr, auf stark verarbeitete Lebensmittel zu verzichten.
So hilfst du deinem Körper, Mikroplastik loszuwerden
Mit ein paar einfachen Gewohnheiten kannst du Mikroplastik ausleiten und gleichzeitig deiner Gesundheit etwas Gutes tun.
Mehr Ballaststoffe essen: Ballaststoffe können wirklich helfen: Sie binden die Mikroplastikpartikel, sodass dein Körper sie über den Stuhl ausscheiden kann, erklärt Dr. Katumoto. Auch wenn noch mehr Forschung nötig ist, um das endgültig zu bestätigen, ist es ein vielversprechender Grund, sich pflanzenbasiert zu ernähren.
Auf Kreuzblütler-Gemüse setzen: Gemüse wie Brokkoli, Blumenkohl, Rosenkohl oder Grünkohl enthält Senföle (Sulforaphan) – einen Stoff, der die Entgiftungssysteme der Leber unterstützt. „Durch diese Antioxidantien können wir die Wirkung mancher Chemikalien aus Plastik zumindest teilweise abmildern“, erklärt Katumoto.
Bunte Lebensmittel essen: Obst und Gemüse mit Anthocyaninen – zum Beispiel Beeren, Pflaumen, Rotkohl, rote Trauben, lila Süßkartoffeln oder Granatapfel – können laut Forschung besonders gut helfen, die negativen Effekte hormonell wirksamer Chemikalien aus Plastik auszugleichen.
Das Wichtigste auf einen Blick
Mikro- und Nanoplastik sind winzige Plastikpartikel, die über Wasser und Lebensmittel in unseren Körper gelangen können. Ihre genauen Auswirkungen auf die Gesundheit werden noch erforscht, aber Studien zeigen, dass sowohl die Partikel selbst als auch die enthaltenen Chemikalien das Fortpflanzungssystem, den Verdauungstrakt und die Atemwege beeinträchtigen und möglicherweise das Risiko für bestimmte Krebsarten erhöhen können. Auch wenn Mikroplastik überall zu finden ist, kannst du einiges tun, um deine Belastung zu reduzieren: Zum Beispiel Einwegplastik vermeiden und öfter selbst zu Hause kochen. Gleichzeitig hilfst du deinem Körper, Mikroplastik schneller wieder loszuwerden, indem du mehr Obst, Gemüse und ballaststoffreiche Lebensmittel isst.
Dieser Inhalt dient nur zu Informationszwecken und stellt keine medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung dar. Er sollte nicht als Ersatz für den Rat eines Arztes/einer Ärztin oder eines medizinischen Fachpersonals betrachtet werden.